Vor Jahren war das Aufsteigen ohne Aufsteighilfe ganz normal. Inzwischen wissen wir viel mehr über die Auswirkungen des Aufsteigens sowohl auf das Pferd als auch auf den Sattel. Dennoch sehen wir dies immer noch regelmäßig, manchmal sogar in Videos in den sozialen Medien, in denen Reiter zeigen, wie leicht ihnen das Aufsteigen vom Boden aus fällt.
Auch wenn es beeindruckend wirken mag, ist ein Aufsteighocker in den meisten Situationen die bessere Wahl. Nicht, weil es für den Reiter einfacher ist, sondern vor allem, weil es sowohl für das Pferd als auch für den Sattel schonender ist (während das Pferd davonläuft).
Warum ein Tritt so einen großen Unterschied macht
Beim Aufsteigen vom Boden aus entsteht eine erhebliche Belastung auf einer Seite des Sattels. Schließlich ziehen Sie sich an einem Steigbügel hoch, wodurch sowohl der Sattel als auch der Rücken des Pferdes vorübergehend einseitig belastet werden.
Untersuchungen von Centaur Biomechanics zeigen, dass dadurch direkt hinter dem Widerrist ein erhöhter Druck entsteht. In derselben Untersuchung zeigte sich zudem, dass viele Pferde beim Aufsteigen ihr Gewicht verlagern oder einen Schritt zur Seite machen. Dies muss nicht unbedingt auf Ungehorsam hindeuten; es kann sich auch um eine Reaktion auf den vorübergehenden Druck handeln, der beim Aufsteigen entsteht.
Auch für den Sattel ist eine wiederholte einseitige Belastung nicht ideal. Langfristig kann dies Auswirkungen auf den Sattelbaum und damit auf die Passform des Sattels haben. Denn ein gut sitzender Sattel beginnt nicht nur mit einer guten Anpassung, sondern auch mit einer sorgfältigen Nutzung.
Wie steigt man so pferde- und sattelfreundlich wie möglich auf?
Ein Aufsteighilfebock trägt dazu bei, die Belastung beim Aufsteigen erheblich zu verringern. Je höher der Aufsteighilfebock ist, desto geringer ist die Kraft, die über den Steigbügel auf den Sattel und den Rücken des Pferdes ausgeübt wird.
Idealerweise verwenden Sie einen Aufsteigblock, mit dem Sie Ihr Bein direkt über den Sattel schwingen können, ohne sich über den Steigbügel hochzuziehen. Ist das nicht möglich? Dann ist ein niedrigerer Hocker immer noch eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Aufsteigen vom Boden aus.
Auch Ihre Handhaltung spielt eine Rolle. Legen Sie eine Hand auf den Mähnenkamm und halten Sie mit der anderen Hand die Vorderseite des Schweißlappens auf der gegenüberliegenden Seite fest. So bleibt der Sattel beim Aufsteigen stabiler und Sie verringern die Belastung zusätzlich.
Fit für Notfälle sein
Es kann immer wieder Situationen geben, in denen kein Tritthocker zur Verfügung steht. Dann ist es natürlich von Vorteil, wenn Sie über die nötige Kraft und das Gleichgewicht verfügen, um dennoch sicher aufsteigen zu können.
Glücklicherweise können Sie diese Fähigkeit auch trainieren, ohne Ihr Pferd unnötig zu belasten. Denken Sie beispielsweise an Gleichgewichtsübungen, das Training auf einem stabilen Gymnastikball oder Übungen, bei denen Sie aus dem Stand explosiv in die Höhe springen. Auf diese Weise verbessern Sie Ihre eigene Fitness, während Sie Ihr Pferd so weit wie möglich schonen.
Kleine Gewohnheit, große Wirkung
Die Verwendung eines Aufsteighocker kostet kaum zusätzliche Zeit, kann jedoch zu mehr Komfort für Ihr Pferd und einer geringeren Belastung Ihres Sattels beitragen. Gerade diese kleinen, bewussten Entscheidungen machen auf lange Sicht den Unterschied aus.
Bei einer guten Sattelanpassung geht es nicht nur um die richtige Passform, sondern auch darum, wie wir täglich mit unserer Ausrüstung und unseren Pferden umgehen.



















